von Sonnenpünktchen
Hallo ihr Genialen,
ich habe keine Listen gemacht, die ganze Zeit nicht. Einfach so - keine Lust; mit Sprachenlernen beschäftigt... Ich habe das schon immer mit den Phasen: Große Begeisterung für einen, vielleicht mehrere Monate für irgendetwas, die dann nicht verschwindet, sondern untertaucht und später wiederkommt, immer wieder in diesen Wellen... Nur das ABC-Training müsste, damit ich es endlich mal durchlaufe, sich querstellen, dem Wellen-Wechsel widerstehen, endlich einmal zu "Ende" durchgezogen werden.
Ich find es schade, dass ihr im Moment selten über das eigentliche Training berichtet und euch so sehr in die Knicklisten stürzt - ich such immer Erfahrungsberichte, wenn ich herkomme - auch Storys, die mir wieder Lust machen könnten.
Annegret, das war eine spannende Story, die heute hereinkam, danke :)
Assoziationen einholen kann so viel Gewinn bringen - aber ich bin immer noch ganz weit hinten damit, brauche noch viele Spiegelneuronen, bevor es mir leichter fällt.
Aber gerade gestern hab ich wieder mal erlebt, wie anders, wie gut, wie befreiend, wie einfach es ist, wenn man genau das tut.
Wir befinden uns in einer singenden Jugendgruppe, in der es am Ende immer eine Andacht gibt. Nathan ist verantwortlich, er ist 14 oder 15, aber übernimmt schon seit einer Weile viel Verantwortung. Seine Andachten haben mir nicht immer gefallen; manchmal haben mich seine biblischen Geschichten nicht angesprochen, denn als Nicht-Christin ziehe ich das meiste aus denjenigen Andachten, die in Richtung Story gehen, wo es um Menschen und Liebe und ein bisschen Innehalten geht, und die Nähe dazu hab ich in seinen Andachten nicht immer gefunden, wenn mir die Geschichten zu fremd waren.
Wie auch immer, ich war seit dem Herbst gestern das erste Mal wieder da. Nathan ließ uns zwei Gruppen bilden und gab jeder einen Auszug aus dem Neuen Testament (aus der Kreuzigungsgeschichte). Er bat uns ganz einfach, schriftlich zu sammeln, was uns einfällt dazu, was uns bemerkenswert erscheint, was uns auffällt, was für Fragen wir vielleicht haben. Sebastian las vor, dann sagten einige von uns fünfen in der Gruppe erste Gedanken, einer murrte, das sei ja wie Deutschunterricht. Erst als wir reihum jeden etwas sagen ließen (was ich erst für eine schlechte Idee hielt), kamen die verschiedenen Sichtweisen, ausgelösten Gedanken zum Vorschein, die beim Hören gekommen waren. Wir haben hinterher noch mal der jeweils anderen Hälfte der jungen Leute erzählt, was wir gedacht haben, und dann hat Nathan gesagt, was IHM eingefallen war, als er den Text gelesen und handschriftlich abgeschrieben hat. Und ich fühlte mich ihm näher als sonst - das Nachdenken verband uns alle, ich fühlte mich reicher, egal eigentlich, WAS für Gedanken das waren.
Das Erlebnis hat mir wieder mal vor Augen geführt, wie wichtig das ist, dass man versucht teilzuhaben an den Gedanken anderer, dass ich auch anfangen will mehr zu FRAGEN und weniger zu SAGEN, dass ich weiter wegkommen will vom Denken in Richtig-und-Falsch-Kategorien. Auch die vielen ABC-Techniken, in denen man schnell mal Gedanken einholen kann, sind mir wieder eingefallen, und dass ich mich trauen will, sie auch einzusetzen. Seltsam, wie schwer es sich anfühlt, andere mit einzubeziehen. Wie wenige das auch machen, so dass ich es immer wieder bewundernswert und überhaupt nicht selbstverständlich finde
Sonnenpünktchen
Sonnenpünktchen - 10. April, 20:12
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